Steigende Personalkosten belasten Krankenhäuser trotz gestiegener Zahlungen durch die Gesetzlichen Krankenversicherung

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat am 6. September 2024 die Finanzlage der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für das erste Halbjahr 2024 veröffentlicht. Die Krankenkassen verzeichneten in dieser Periode ein Defizit von rund 2,2 Milliarden Euro, während die Finanzreserven Ende Juni bei 6,2 Milliarden Euro lagen. Im gleichen Zeitraum sind die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen um 7,9 % gestiegen, was einem absoluten Anstieg der GKV-Krankenhausausgaben um 3,6 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.

Ursächlich für diese Entwicklung ist eine Kombination aus einer dynamischen Preiskomponente, steigenden Fallzahlen und vor allem den um 10,9 % gestiegenen Pflegepersonalkosten. Letztere haben dafür gesorgt, dass die Kosten besonders stark gestiegen sind. Damit sind die Ausgaben auf ausdrücklichen Wunsch der Politik entstanden, die damit die Situation der Pflegekräfte in Deutschland verbessern möchte, letztlich aber nicht als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verteilt, sondern auf die Beitragszahler abwälzt, wie Achim Neyer, Geschäftsführer des GPR Gesundheits- und Pflegezentrums, betont: „Die deutlich gestiegenen Pflegepersonalkosten machen einen signifikanten Teil der Ausgaben aus. Darüber hinaus waren auch aufgrund einer gestiegenen Fallzahl im Vergleich zu den Pandemiezeiten auch hohe Ausgaben für Medikamente erforderlich. Diese Entwicklung unterstreicht die Notwendigkeit, das Pflegepersonal nicht nur angemessen zu entlohnen, sondern auch die Finanzierung der Krankenhäuser zukunftssicher zu gestalten. Insgesamt ist aber erkennbar, dass die Steigung der Krankenhauskosten (im Vergleich zu anderen Dienstleistungen) weit geringer ausfiel in den letzten Jahren, so dass die Leistungsfähigkeit der Kliniken weiterhin per Gesetz deutlich geschwächt wird und nur noch die finanziell einspringenden Kommunen und die Mitarbeitenden mit ihrem großen Engagement die Kliniken vor dem Kollaps bewahren. Auch die weiterhin vergleichsweise margenstarken Betriebe der Krankenhauszulieferer, insbesondere der Pharmaindustrie aber auch Teile der Medizingeräteindustrie, beteiligen sich an den Kosten der Kliniken nicht, sondern ziehen zum Teil drastische Preiserhöhungen durch. Allerdings muss auch zu deren Entlastung gesagt werden, dass die Aufwendungen für die Erfüllung bürokratischer Pflichten ebenfalls erheblich steigen.“

Ein weiteres Thema, das das Defizit der Krankenkassen beeinflusst hat, ist die Ausschüttung von 3,1 Milliarden Euro aus der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds. Diese Gelder wurden verwendet, um die Zusatzbeitragssätze der Krankenkassen zu stabilisieren. Dadurch gingen die Finanzreserven des Gesundheitsfonds um 6,3 Milliarden Euro zurück, was jedoch auch auf den saisonbedingten Ausgabenüberhang zurückzuführen ist.

„Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Finanzierung der Krankenhäuser und insbesondere der Pflegeberufe in Zukunft stärker in den Fokus rücken muss, um langfristig eine stabile Versorgung der Patientinnen und Patienten sicherzustellen“, so Achim Neyer abschließend.