GPR Klinikum zieht positive Bilanz zum Welt-Sepsis-Tag

Der Welt-Sepsis-Tag rückt jedes Jahr eine der gefährlichsten, aber oft unterschätzten Erkrankungen ins Bewusstsein: die Sepsis. Weltweit sterben jährlich schätzungsweise 11 Millionen Menschen an den Folgen einer Sepsis – in Deutschland betrifft die Erkrankung mehrere Zehntausend Patientinnen und Patienten pro Jahr. Sie gehört damit zu den häufigsten Todesursachen und erfordert eine sofortige und koordinierte medizinische Behandlung. In diesem Zusammenhang kann das GPR Klinikum eine besonders positive Bilanz ziehen.

Die aktuellen Auswertungen des Clinotel-Krankenhausverbundes zeigen: Im Zeitraum Januar bis Juli 2025 lag die Sterblichkeitsrate bei Sepsis-III-Fällen (lebensbedrohliche Organdysfunktion) im GPR Klinikum bei lediglich 28,1 %. Damit liegt das Haus deutlich besser als der Durchschnitt der deutschen Kliniken. Das Ergebnis des GPR Klinikums verdeutlicht damit die erfolgreiche Umsetzung eigener Qualitätsinitiativen, die entscheidend zur kontinuierlichen Verbesserung der Patientensicherheit beiträgt.

In den vergangenen Jahren hat das GPR Klinikum eine Reihe zielgerichteter Interventionen eingeführt und etabliert, die auf Prävention, Früherkennung und professionelle Behandlung abzielen. Ein zentraler Baustein sind die sogenannten „Viggodays“: An einem Quartalstag führen speziell geschulte Teams eine strukturierte Visite aller Gefäßzugänge durch. Dabei werden die Anlageorte, Verbandssituation und Dokumentation systematisch geprüft, mögliche Auffälligkeiten sofort behoben und konkrete Maßnahmen zur Nachsorge vereinbart. Ziel ist es, Infektionen an Gefäßzugängen frühzeitig zu erkennen und so katheterassoziierte Infektionen zu vermeiden.

„Wir haben auch die Beobachtung der Compliance in der Händehygiene intensiviert. Unser Hygieneteam führt gezielte Beobachtungen durch, wertet die Ergebnisse nach Tätigkeitsbereichen aus und gibt strukturiertes, direktes Feedback an die Stationen. Diese datengestützte Herangehensweise erlaubt es, Schulungsbedarf punktgenau zu identifizieren und Verhaltensänderungen nachhaltig zu unterstützen“, erklärt Dr. Jörn-Peter Oeltze, der Leiter der Hygienemedizin im GPR.

Ein weiterer Schwerpunkt sind kontinuierliche Schulungen für das medizinische Personal. Neben theoretischen Fortbildungen werden praktische Trainings zur aseptischen Handhabung von Zugängen, zur Erkennung früher Sepsiszeichen und zu Eskalationspfaden angeboten. Durch praktische Übungen und Fallbesprechungen wird das Bewusstsein für typische Risikokonstellationen geschärft und die Handlungsfähigkeit im Ernstfall gestärkt.

Die systematische Analyse aller Sepsisfälle rundet das Maßnahmenpaket ab. In interdisziplinären Fallbesprechungen werden Ursachen, Prozessschwächen und verbesserbare Schnittstellen ermittelt. Aus diesen Erkenntnissen entstehen konkrete Veränderungsmaßnahmen – von Anpassungen in der Dokumentation über Prozessvereinfachungen bis hin zu spezifischen Trainingsmaßnahmen.

Auch das Antibiotic Stewardship (ABS)-Team, bestehend aus Frau Dr. Yolanta Dragneva (Chefärztin des Instituts für Laboratoriumsmedizin), Frau Dr. Dorothea Nillius (Medizinische Fachmikrobiologin), Frau Dr. Sandra Leibling (Oberärztin und Hygienebeauftragte Ärztin der I. Medizinischen Klinik), Frau Katharina Auerhammer (Oberärztin Intensivstation), Frau Maika Bester (Leiterin der Klinik-Apotheke und des Zentraleinkaufs) und Herrn Dr. Jörn-Peter Oeltze (Leiter der Hygienemedizin), leistet einen entscheidenden Beitrag zur erfolgreichen Behandlung von Sepsis im GPR Klinikum. Da jede Sepsis-Patientin und jeder Sepsis-Patient mit Antibiotika behandelt wird, sorgt das ABS-Team dafür, dass die Auswahl, Dosierung und Dauer der Therapie stets optimal auf den individuellen Krankheitsverlauf abgestimmt sind. In regelmäßigen ABS-Visiten berät das Team die behandelnden Kolleginnen und Kollegen, führen Resistenz- und Verbrauchsanalysen durch und geben Empfehlungen für den gezielten Einsatz geeigneter Antibiotika. Damit wird nicht nur eine wirksame Behandlung schwerster Infektionen sichergestellt, sondern gleichzeitig das Risiko von Resistenzentwicklungen reduziert – ein weiterer zentraler Baustein der erfolgreichen Sepsis-Therapie im GPR Klinikum.

Auch für die kommenden Monate sind weitere Schritte geplant, um die Versorgung weiter zu optimieren. Geplant ist die Einführung eines standardisierten, evidenzbasierten Screenings zur frühzeitigen Erkennung von Sepsis bei Aufnahme und bei Risikopatientinnen und -patienten. Zudem wird ein umfangreiches Onlineschulungsangebot aufgebaut, das allen medizinischen Berufsgruppen flexibel zugänglich gemacht und dessen Teilnahme dokumentiert werden soll. Beide Maßnahmen sollen die Erkennungsrate steigern und die Reaktionszeiten bei Verdacht auf Sepsis verkürzen.

Die Steuerung und Umsetzung der Maßnahmen erfolgt durch ein engagiertes, interdisziplinäres Team aus Hygienefachkräften, Ärztinnen und Ärzten, Apothekerinnen und Apothekern, Pflegeleitungen und Qualitätsmanagement. Regelmäßige Monitoring-Reports und Kennzahlen helfen dabei, Fortschritte zu messen und erfolgreiche Praktiken weiterzugeben – sowohl innerhalb des Hauses als auch im Austausch mit dem Clinotel-Verbund.

„Sepsis ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, die ein schnelles und abgestimmtes medizinisches Handeln erfordert. Dass wir hier im GPR Klinikum so gute Ergebnisse erzielen, zeigt die Kompetenz und das große Engagement unserer Ärztinnen, Ärzte und Pflegeteams. Mein Dank gilt allen Mitarbeitenden, die sich Tag für Tag mit vollem Einsatz für die Sicherheit unserer Patientinnen und Patienten einsetzen“, betont GPR-Geschäftsführer Achim Neyer.

 

Was ist Sepsis?

  • Sepsis ist eine lebensbedrohliche Organdysfunktion, die durch eine fehlgesteuerte Immunantwort auf eine Infektion ausgelöst wird.

  • Frühe Symptome können sein: hohes oder ungewöhnlich niedriges Fieber, Verwirrtheit, schnelle Atmung, niedriger Blutdruck, Schüttelfrost und extreme Schwäche. 

  • Entscheidend ist die schnelle Diagnose und Behandlung, häufig mit Antibiotika und intensivmedizinischen Maßnahmen.

  • Je früher die Sepsis erkannt und behandelt wird, desto höher sind die Überlebenschancen.