Jährlich werden in Deutschland mehr als 200.000 Hüftgelenke implantiert und fast 30.000 Prothesen gewechselt. Die häufigste Ursache für diesen Eingriff ist Arthrose, die für rund 80 % der Ersteingriffe verantwortlich ist. Ein entscheidender Aspekt der postoperativen Nachsorge ist die Vorbeugung von Thrombosen – Blutgerinnseln, die den Blutfluss blockieren und im schlimmsten Fall zu einer lebensbedrohlichen Lungenembolie führen können.
Bisher erhielten Patientinnen und Patienten nach einer Hüfttotalendoprothese (Hüft-TEP) standardmäßig 28 bis 35 Tage lang Gerinnungshemmer zur Thromboseprophylaxe. Mit der Einführung des Fast-Track-Verfahrens hat sich jedoch die Behandlungsstrategie geändert. Durch frühzeitige Mobilisierung können Patientinnen und Patienten bereits nach drei bis fünf Tagen aus der Klinik entlassen werden. Diese Entwicklung wirft die Frage auf, ob eine kürzere Einnahmedauer von Blutverdünnern ausreichend sein könnte, um das Thromboserisiko zu minimieren und gleichzeitig das Blutungsrisiko zu verringern.
Die Enable-HIP-Studie untersucht, ob die Einnahme von Blutverdünnern von bisher 35 Tagen auf zehn Tage reduziert werden kann. Teilnehmer der Studie werden zufällig in zwei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe erhält weiterhin 35 Tage lang das Medikament Xarelto, während die andere Gruppe nach zehn Tagen ein Placebo erhält. Die Studie dauert für die Teilnehmer insgesamt drei Monate und umfasst fünf geplante Visiten, die sich teilweise mit regulären Arztterminen überschneiden können.
Dr. Manfred Krieger betont die Bedeutung der Studie: „Die Enable-HIP-Studie könnte eine entscheidende Rolle dabei spielen, die aktuellen Leitlinien zur Thromboseprophylaxe nach Hüftgelenksersatz grundlegend zu überdenken. Sollten die Ergebnisse zeigen, dass eine kürzere Einnahmezeit ebenso wirksam und sicher ist, wäre dies ein bedeutender Fortschritt für unsere Patientinnen und Patienten.“
Die Studie folgt dem ERAS-Konzept (Enhanced Recovery After Surgery), das darauf abzielt, die Genesung zu beschleunigen und die Selbständigkeit der Patienten zu fördern. Es werden keine zusätzlichen oder belastenden Untersuchungen durchgeführt. Die Studienteilnehmer werden von Chefarzt Dr. Manfred Krieger und den Oberärzten Dr. Simon Schröder und Dr. Christoph Hausner umfassend aufgeklärt und während des gesamten Prozesses kompetent begleitet.
Die Teilnahme an der Studie ist freiwillig und erfolgt erst nach einer ausführlichen Aufklärung und ausreichender Bedenkzeit. Das GPR Klinikum leistet mit dieser Studie einen wertvollen Beitrag zur Weiterentwicklung und Optimierung der Behandlungsstandards in der orthopädischen Chirurgie.
